Prof. Dr. Melanie Sully

Why should I be interested in Politics?

The long day of politics organised by Neuwal www.neuwal.com is an ambitious project where Go-Governance will be present. As part of this project we asked one young Austrian to give us his thoughts on the question. This personal view is available here in German.

Projekt: Jugend und Politik

Eine Stellungnahme von Maximilian Wolf für das Institut für Go-Governance www.go-governance.com

 

  • Wieso sollte ich mich als Jugendlicher für Politik interessieren?

 

Eine durchaus berechtigte Frage. Man begegnet dem Thema Politik überall im Alltag, sei es in der U-Bahn aus „Heute“, im Radio oder im Fernsehen. Der Eindruck ist klar: ältere, grauhaarige Männer, die nur über Steuern und Kosten reden. Alle Jahre wieder hat man die Möglichkeit wählen zu gehen, aber es scheint doch immer ungefähr so wie das letzte Mal auszugehen. Überhaupt, was bewirkt schon eine Stimme in einem Land mit fast 6.5 Millionen Wahlberechtigten? Warum soll gerade ich mich für so etwas interessieren oder mich beteiligen?

 

 Viele unterschätzen, wie groß der Jugendanteil in Österreich ist. In Wien zum Beispiel bilden Jugendliche unter 18 Jahren 18 Prozent der Bevölkerung (siehe Grafik 1). Außerdem rechnet die MA23 damit, dass bis 2024 die Anzahl der 0-19 Jährigen in Wien um weitere 62.000 anwächst, und folglich der Großteil der Stadt im Durchschnitt jünger wird (Grafik 2). Da die Geburtenrate in den letzten Jahrzehnten aber abgenommen hat und voraussichtlich weiter abnehmen wird, führt dies zu einem interessanten Phänomen: Obwohl die Anzahl der Jugendlichen in Wien (und ähnlich in ganz Österreich) ansteigt, sinkt der Anteil der Bevölkerung die unter 19 Jahren ist, da gleichzeitig der Bevölkerungsanteil der 65plus Jährigen Bevölkerung noch stärker steigt. Eine solche demographische Verschiebung führt dazu, dass Jugendliche in Zukunft noch schlechter vertreten werden als zuvor, obwohl man meinen könnte, dass unter 18-jährige die Altersgruppe bilden, die am meisten Förderung und Vertretung im öffentlichen Leben benötigt.

 

Jetzt könnte man behaupten, dass der Anteil der 0-18 Jährigen nicht wirklich wichtig sei. Aber je größer der Bevölkerungsanteil desto besser die politische Vertretung. Und die ist vor allem für Jugendliche wichtig. Die Politik kontrolliert zum Beispiel, wie viel des Staats- oder Landesbudgets in deine Schulausbildung gesteckt wird; in allen öffentlichen Schulen zahlt der Staat für Schulbücher und Tafeln, sowie den Lohn deiner Lehrer. Die Ausrede, „der Lehrer / die Lehrerin sei an deinem Fetzen schuld“ kennt jeder, aber es ist in der Tat so, dass sich mangelnde Ressourcen schlecht auf die SchülerInnen auswirken. Und das wiederum ist im Endeffekt nicht nur für deine Zukunft, sondern auch für die Zukunft des Landes schlecht.

 

Die Politik, ob auf Gemeinde-, Landes- oder Nationalebene, entscheidet auch, wie viel Geld das österreichische Bundesheer bekommt, was für viele Burschen (und für die Mädchen, die an so etwas interessiert sind) relevant ist. Dasselbe gilt für diejenigen, die sich für den Zivildienst entscheiden. Später werdet ihr vielleicht auf die Uni gehen oder eine Lehre machen – beides wird vom Staat finanziert. Endgültig in der Arbeitswelt angekommen, hat die Politik nicht nur das Sagen über welche Rechte euch als ArbeitnehmerInnen oder ArbeitgeberInnen zur Verfügung stehen, sondern entscheidet auch wie viel Steuern jeder von euch zahlen muss und wie viel Geld z.B. in Form von Kinderbeihilfe zurückkommt.

 

Dazu kommen natürlich auch Entscheidungen über das Budget für Polizeikräfte zu eurem Schutz, den Bau und die Erhaltung essentieller Infrastruktur wie Straßen und Brücken und Leitungswasser, oder eure Kranken- und Sozialversicherung. Man merkt, dass man oft den Einfluss und die Wichtigkeit der Politik im Alltag übersieht!

 

  • Wie wird die Jugend (und ihre Interessen) in der österreichischen Politik vertreten?

 

Ausgehend vom Alter, so ist die Jugend österreichweit in der Politik schlecht vertreten. Knapp 80% der Nationalratsabgeordneten sind zwischen 40 und 60 Jahren alt, das Durchschnittsalter hält seit 1990 konstant bei rund 50 Jahren. Damit ist der Nationalrat um 10 Jahre älter (und mit einem Frauenanteil von nur einem Drittel auch deutlich männlicher) als der österreichische Durchschnitt. Mit einem Fokus auf Jugendteilnahme an der Politik hat die Europäische Union für 2015 „Empowerment junger Menschen zur politischen Beteiligung“ zum Schwerpunktthema gemacht.

 

Trotzdem fiel das Interesse von 12-29-Jährigen an Innenpolitik laut GfK in den letzten fünf Jahren von 39% auf 36%. Hierbei kommt es auch immer weniger auf den Hintergrund an: Ob Pflichtschul-, Fachschul- oder Universitätsabschluss, das Interesse der Befragten fiel jedes Jahr. Dies deutet also auf ein größeres Problem hin. Immer mehr Leute, vor allem aber die Jugend, fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Die Idee „es ist egal, wen man wählt, es kommt eh immer dasselbe raus“ hört man immer öfter. Und „egal, wen man wählt“ führt bald zu „egal, ob man wählt“: politische Apathie, vor allem im Bereich der Jugend, lässt sich oft direkt vom Gefühl, von der Politik im Stich gelassen worden zu sein, ableiten.

 

  • Wie kann sich die Jugend politisch engagieren?

 

„Aber was kann ich dagegen machen?“ wirst du dich vielleicht fragen. Es ist leichter, als du vielleicht denkst, und fängt bereits damit an, sich täglich nicht nur mit Facebook zu beschäftigen, sondern vielleicht nur ein paar Minuten in Nachrichten zu investieren. Ob in der U-Bahn „Heute“ lesen oder online auf dem neuersten Stand bleiben, ob Inlands- oder Auslandsnachrichten, das Wichtigste ist, informiert zu bleiben.

 

Als nächstes kannst du dich mit Freunden und Familie vielleicht nicht nur den neuersten Tratsch besprechen, sondern irgendwelche Fragen, die du hast, als Thema einbauen. Diskutiere mit deinem Umfeld über Themen, die dich interessieren; so lernst du, kritisch und argumentativ zu denken, und stößt auf neue Meinungen sowie auf neue Probleme. Ein kontemporäres Beispiel wäre die jetzige Flüchtlingskrise: sollen wir alle Kriegsflüchtlinge aufnehmen, oder unsere Grenzen schließen?

 

Lass dich dabei nicht von Parteipolitik ablenken, sondern setze dich mit den Problemen selber auseinander, nicht unbedingt mit dem, was Politiker sagen. Gleichermaßen musst du nicht sofort wissen, an was du glaubst oder welche Partei du unterstützt; gib dir Zeit, die Probleme von allen Seiten zu betrachten, und herauszufinden, was du meinst, dass das Beste sei. Das Wichtigste ist, kritisch zu denken, sich mit Fakten zu informieren und versuchen, das Richtige zu tun. Bleibe nicht nur am neuersten Stand, wenn du bald deine Stimme bei einer Wahl abgeben willst, sondern viel mehr auch in deinem Alltag. Und merke dir: Auch wenn du nur einer oder eine von 6.5 Millionen österreichischen Wahlberechtigten bist, nicht wählen verändert gar nichts.

 

Wenn du dich wirklich für Politik interessierst, kannst du dich auch für eine der österreichischen Jugendorganisationen (ob Parteinahe oder nicht) anmelden. Dabei musst du dir aber sicher sein, dass du genau weißt, woran du glaubst und dich von einer Seite sehr angesprochen fühlst.

 

Hier sind ein paar solcher Organisationen:

 

  • SJÖ – Sozialistische Jugend Österreich [neu.sjoe.at]
  • JG – Junge Generation der SPÖ [JG auf Facebook]
  • AKS – Aktion Kritischer Schüler und Schülerinnen [aks.at]
  • JVP – Junge ÖVP [junge.oevp.at]
  • SU – Schülerunion [schuelerunion.at]
  • RFJ – Ring freiheitlicher Jugend [www.rfj.at]
  • Junge Grüne [junge-gruene.at]
  • GAJ – Grünalternative Jugend [gajwien.at]
  • JUNOS – Junge liberale NEOS [junos.at]
  • Junges Team Stronach [JTS auf Facebook]
  • GZÖ – Generation Zukunft Österreich
  • KJÖ – Kommunistische Jugend Österreich [kjoe.at]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                             

    
    

Quelle: Statistik      Austria